Klavierbodenzithern nach System Kerschensteiner

Im Laufe der Entwicklung der Zither haben sich zwei Bauformen herauskristallisiert: Die Salzburger und die Mittenwalder Form. Letztere wurden in verschiedenen Konstruktionen auf den Markt gebracht. Die bewährteste Konstruktion in Klang und Qualität sind jedoch die Instrumente von Franz Xaver Kerschensteiner aus Regensburg.
Jeder, der heute noch eine Kerschensteiner-Klavierbodenzither sein Eigen nennen kann, darf daher stolz darauf sein, eines dieser sehr seltenen Exemplare zu besitzen. Bekannt geworden sind die Kerschensteiner-Zithern nach dem Krieg wieder durch die Wegscheider Musikanten, die ja mit zwei Kerschensteiner- und einer Fürst-Zither den besonderen Klang zuwege brachten, der heute noch unsere Herzen erfreut. Auch für den Klang zeitgemäßer Zitherbesetzungen wie Hirschberg- und Weinberg-Zithermusi oder Wetterstoa Musikanten sind neben dem Können der Musikanten ausschließlich Kerschensteiner-Klavierbodenzithern verantwortlich.
Zithern aus der Werkstatt Kerschensteiners zeichnen sich durch einen sehr kräftigen, hellen und kurzen Griffbretton aus, ohne dabei schrill oder aufdringlich zu wirken. Dadurch ist dieses Instrument auch die ideale Zither für das traditionelle Wirtshausmusizieren, wie es bei uns schon immer Tradition war. Ebenso lassen sich die Saiten »streicheln«, um ihnen einen milden, samtigen Ton zur Liedbegleitung zu entlocken, wie es Roman Messerer oder Franz Öttl fast täglich unter Beweis stellen.
Dieser eigene Klang ergibt sich durch die besondere Konstruktion der Zithern: Es handelt sich um sogenannte Arion-Zithern (Mittenwalder Form), deren Boden frei schwingen kann. Dieser Boden wird durch vier rechtwinklig zur Faser verlaufende aufgeleimte Leisten stabilisiert, was ihm das Aussehen eines Klavierbodens gibt. Daher auch der Name „Klavierbodenzither“.

Wegscheider Musikanten um 1926, noch in der Besetzung
mit zwei Zithern, Geige und Kontragitarre.